A German-language review of my father’s latest book, “An Invitation to Persian Poetry” (2nd ed.)
| Umfassende Anthologie von Reza Saberi
(Get an English translation by Google here)Reza Saberi gehört zu den aktivsten Köpfen, wenn es darum geht, iranische Lyrik im englischsprachigen Raum zu dokumentieren und bekannt zu machen. Neben einer kompletten Übersetzung des „Diwan“ von Hafez, seiner zweisprachigen Anthologie „A Thousand Years of Persian Rubaiyat“ (über 1500 Vierzeiler von 106 Dichtern!) sowie eigenen Romanen und Gedichtbänden, gehört „An Invitation to Persian Poetry“ sicher zu seinen bedeutendsten Werken. Soeben ist bei Ketap Corp. in Los Angeles die überarbeitete und erweiterte Second Edition erschienen. Reza Saberi: An Invitation to Persian Poetry – Second Edition (Ketap Corp., Los Angeles 2012)
„Persische Dichtung zu lesen „An Invitation to Persian Poetry“ gliedert sich in zwei Teile: klassische und moderne Gedichte. Diese Unterscheidung gestaltet sich zum Glück vergleichsweise einfach, da es in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts einen harten Schnitt gab, mit dem die inhaltliche und sprachliche Erneuerung der Lyrik in Iran einsetzte. Obwohl schon vor ihm einige Dichter Erneuerungsversuche wagten wird landläufig Nima Yushij als Vater der modernen persischen Poesie gesehen. Folgerichtig beginnt auch mit ihm jenes Kapitel. Die Spanne der 124 im Buch enthaltenen Dichter und Dicherinnen reicht von Rudaki, der 941 starb, bis hin zu Sanaz Zaresani, geboren 1980. Dazwischen liegen über tausend Jahre persischer Poesie. Natürlich sind im ersten Abschnitt die bekannten Klassiker wie Nizami, Hafez, Saadi, Rumi, Chayyam enthalten, aber auch eine Vielzahl an Lyrikern, die zumindest außerhalb Irans weniger bekannt sind. Darunter auch Ghazzali Mashadi, der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts lebte. Einer seiner Rubaiyat zeigt eindrucksvoll, was einen Dichter zum Klassiker macht: Seine Zeitlosigkeit. Da heißt es: „In the Kaaba, if your heart tends toward any other than God, / Your worshipping is a sin and the Kaaba a tavern. / But if your heart is with God and you are in a tavern, / Go on drinking wine, you are going to be saved.” Zugegeben, den Chameneis dieser Welt dürften solche Verse weniger gut gefallen. Überhaupt setzen sich die Klassiker – neben den allumfassenden Themen Liebe, Natur, Transzendenz – auffällig intensiv und dabei durchaus kritisch mit dem Glauben auseinander; schon Hafez‘ Botschaft pries einen Glauben, der individuell ist und nicht an Dogmen oder politische Vorgaben gebunden. Heute sind dem herrschenden Regime viele dieser Werke ein Dorn im Auge, zumal sie unverhohlene Erotik enthalten, ebenso wie zünftige Saufgelage. Doch eine Regierung, die den Persern ihre Poesie nehmen will, wird sich keine zwei Stunden im Amt halten können, das weiß man in Teheran sehr wohl. Die modernen Dichter ab Yushij haben sich vor allem von den strengen Versformen und Reimschemata verabschiedet, und auch mit der mittelalterlich-romantischen Metaphernwelt haben sie gebrochen – wenn auch sie bei Gelegenheit immer mal wieder gerne darauf zurückgreifen. Ihre Lyrik ist direkter, versteckt politische und gesellschaftliche Themen nicht mehr so sehr hinter einem Vorhang aus schöner Sprache, weshalb die meisten von ihnen immer wieder mit den jeweils Herrschenden – vom Shah bis zu den Mullahs – aneinander gerieten, eingesperrt, ins Exil getrieben wurden. Einer von ihnen ist der heute in Köln lebende Hushang Ebtehaj, in dessen Gedicht „Freedom“ es heißt: „O Freedom! / Are you / Coming… / with chains?“ Ebenfalls enthalten ist Sohrab Sepehris episches lyrisches Meisterwerk „Hearing Water’s Footsteps“, das die Gefühle einer ganzen Generation definiert und in unzählige Sprachen (auch Deutsch) übersetzt wurde. Was folgt sind die modernen Klassiker, die in solch einer Sammlung nicht fehlen dürfen: Ahmad Shamlu, Mehdi Akhawan Sales, Forough Farrokhsad (und ihr großartiges Gedicht „I am sad“) und Nader Naderpour. Am Ende ergibt Saberis Anthologie eine facettenreiches und beeindruckendes Mosaik persischer Lyrik – und eine Einladung, die man in jedem Fall annehmen sollte. Gerrit Wustmann |
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Datum: 11.07.2012

